Selbständig werden, Existenzgründung, Tipps zur Selbständigkeit

Nach meinen Erfahrungen gibt es bei einer Existenzgründung, oder bei der beruflichen Selbständigkeit [gerade bei Einmann-Unternehmen oder bei Kleinstfirmen – ich rede hier der Einfachheit halber mal von einem Einmannbetrieb] ein Hauptproblem, an dem alles scheitern kann: es ist der Selbständige oder Freiberufler selbst.

Die eigene EckkneipeDie Vorstellung – besser das Klischee – das man heute von einem Selbständigen hat, basiert immer noch auf dem Glauben, dass allein durch Ausdauer, Fleiß und fachliches Wissen eine selbständige Existenz gesichert ist. Wichtig ist, das man als Unternehmer und besonders als Existenzgründer ohne Pause experimentieren muss und veränderte Geschäftsideen austesten muss. Natürlich solltest du dich nur in solchen Arbeitsfeldern bewegen, wo du authentisch bist [das hat nicht immer etwas mit angelerntem Wissen zu tun]. Das Allerwichtigste dabei ist jedoch, das du lernen musst, von den Dingen zu lassen, die kein Geld bringen. Immer wieder musst du die nutzlosen Ideen von den Nützlichen trennen. Und du musst die Dinge am Tag zuerst machen, die Geld bringen.

Eine weitere falsche Vorstellung ist – so meine ich – der Glaube, man müsse unbedingt mit irgend etwas Neuartigem die Menschheit beglücken, was ich übriges selber auch schon mal ausprobiert habe. Zwei Gebrauchsmuster hab ich beim Patentamt angemeldet. Außer Kosten hat es mir nur eine Erfahrung gebracht: so lang ein Unternehmer mit seinen bisherigen Ressourcen Geld verdienen kann, sind ihm Neuheiten und technische Erfindungen egal – man denke nur an das 3-Liter-Auto. Im Kleinen ist das ebenso.

Mit neuen Produkten oder neuen Ideen kann man zwar die Aufmerksamkeit erregen und du hast in Geburtstagsrunden interessante Gesprächsthemen, doch mit Erfindungen haben in der Vergangenheit nur sehr sehr wenige Menschen ihre Familien ernähren können.

Du musst vorhandene Geschäftsideen und Ressourcen modifizieren und weiterentwickeln und dadurch besser werden, als die Konkurrenz. Gehe davon aus, dass die Konkurrenzunternehmung eine menge Sand im Getriebe hat, dass sie an vielen Stellen uneffizient arbeitet und durch banale Alltäglichkeiten und ungeeignete Mitarbeiter zu falschen Selbsteinschätzungen kommt.

Gärner ArbeitDie meisten Existenzgründer, Selbständigen und Unternehmer leiden unter einem nicht zu unterschätzenden Manko – unter der Vereinsamung. In unserer [deutschen] Gesellschaft genießt der Selbständige kein besonders gutes Ansehen … ich gehe hier nicht weiter darauf ein … aber der Unternehmer hat so wenige Möglichkeiten des effektiven Gedankenaustausches und damit der neutralen Sicht auf sich selbst, denn der ungezwungene Umgang mit den verschiedensten Menschen aller Gesellschaftsschichten ist ein Spiegel des eigenen Tun und eine Möglichkeit eigener Korrekturen.

Überhaupt ist es nicht opportun Korrekturen eigener Ideen zu verkünden und auszuführen, wenn man vorher wochenlang eben von der anderen Idee begeistert erzählt hat. Meist ist es nur dummer Stolz, dass man ein hoffnungsloses Projekt weiterführt, weil man nicht zugeben mag, dass es nutzlos ist. Aber man hat ja so viel Zeit und Geld in die Sache investiert … und man sagt sich: „Es soll alles umsonst gewesen sein? Meine Bekannten und Freunde haben schon die Augen verdreht, wenn ich begeistert von meinem neuen Projekt geschwärmt habe … jetzt soll ich zugeben, dass das alles für die Katz war … ?“

Auf diese Weise reiten viele kluge und fleißige Menschen ihr Unternehmen in den Sand. Wenn das die Konkurrenz tut, dann mag dich das nicht stören, denn du machst es ja anders. Irgend so ein großer Politiker war es doch, der sagte: „Was kümmert mich mein dummes Geschwätzt von gestern.“

Recht hatte er! Noch ein Punkt ist für den Existenzgründer, wie für den Unternehmer wichtig. Plane nicht nur deinen Erfolg, sondern auch deinen Misserfolg Besser gesagt: du brauchst auch eine Checkliste für Zeiten, wo die Geschäft schlechter laufen und du benötigst einen Plan, was passiert, wenn dein Geschäft ein 100%er Misserfolg wird. Ich weiß schon – der Misserfolg ist in unserer Gesellschaft nicht vorgesehen – aber es ist dumm so etwas nicht vorherzudenken – als Unternehmer kannst du dir Dummheiten nicht leisen … wenigstens nicht zu viele. Du solltest aber jede Möglichkeit zu Ende denken – selbst den Verlust deines Eigenheimes oder die Privatinsolvenz. In [noch] guten Zeiten kann man ein Haus mit Gewinn verkaufen. Bei der Versteigerung ist es allemal zu spät. Ich denke auch, wer solche Gedanken verdrängt, den werden diese später ständig in der Form von Existenzängsten begleiten. Angst ist aber ein schlechter Ratgeber und du brauchst für die Selbständigkeit immer einen freien Kopf und bewegliche positive Gedanken. Also gehe auch den mitunter unvermeidlichen Dingen im Leben nicht aus dem Weg. Liebe die Einfachheit. Das Leben kann auch ohne viele materielle Güter heiter sein. Wenn du dir in den guten Zeiten schon die Einfachheit zu eigen machst, wovor solltest du dann noch Angst haben? Furchtlosigkeit ist ein nicht zu unterschätzender Wettbewerbsvorteil.